Konzeptloses Sicherheitsressort für Freunde

Unter der rot-blauen Landesregierung wurde ein neues Ressort geschaffen. Es sollte die „Spielwiese“ für Landeshauptmann-Stellvertreter Johann Tschürtz werden, der sich bei der Verteilung der restlichen Arbeit auffallend zurückhielt. Das wichtigste und nahezu einzige Thema des FPÖ-Obmanns in der Regierung heißt „Sicherheit“. Die politischen Kompetenzen liegen dafür eindeutig im Bund, denn weder Polizei noch Militär haben landespolitische Vorgesetzte.  Es gab – und gibt bis heute – auch keinerlei Befunde, dass sich die Sicherheitssituation im Burgenland verschlechtert hätte Die Kriminalstatistik würde uns durchaus ruhig schlafen lassen, aber die rot-blauen Meinungsmacher hatten sich nun einmal dazu entschlossen, so lange von angeblich erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen zu reden, bis an den Stammtischen davon gesprochen wurde, dass man sich nicht mehr so sicher fühle wie früher.

An den Flüchtlingen, die im Jahr 2015 über die Grenze gekommen sind, kann es nicht liegen, sie verüben weniger Straftaten als die Österreicher. Gestiegen ist die Deliktzahl im Bereich der Dokumentenfälschung und Schlepperei – beides liegt nach den Ereignissen des letzten Jahres auf der Hand, stellt aber für das Leben der BurgenländerInnen keine unmittelbare Bedrohung dar. Aber der FPÖ, unterstützt vom Landeshauptmann, war das Thema eben wichtig. Damit macht sie ja schließlich einen Teil ihrer Stimmen. Warum LH Niessl noch immer auf das Thema „Sicherheit“ setzt, mit dem er bei der Landtagswahl 2015 6,34 % und drei Mandate verlor, ist inhaltlich und strategisch nicht begründbar. Aber er mag es halt so und trifft sich in diesem Punkt so vortrefflich mit dem neuen Koalitionspartner. Gemeinsam schafften sie es jedenfalls, ein subjektives Unsicherheitsgefühl in Teilen der Bevölkerung zu erzeugen, verzichteten in der Folge auf faktenbasierte Entscheidungen in diesem Bereich und fröhnen in Sicherheitsfragen der Politik der Gefühle.

Nun könnte man meinen, dass ein Regierungsmitglied, dem ein Thema so wichtig ist, dass er dafür ein neues Ressort schaffen lässt und sich kaum anderen Agenden widmen kann, mit besonderen Ambitionen, Ideen und Konzepten an die Sache herangeht. Allein, all das lässt Johann Tschürtz vermissen. Weder im Sicherheitsressort im Ganzen, noch bei den Einzelideen, die der Landeshauptmann-Stellvertreter in Pressekonferenzen verlautet, lassen sich auch ein Jahr nach Einrichtung des neuen Ressorts irgendwelche auf ernsthafte Analysen aufbauende Konzepte erkennen. Was es aber sehr wohl gibt, sind neue Dienstposten: Zuerst werden Sachbearbeiter unbestimmter inhaltlicher Qualifikation eingestellt, um  fürdiese später Leitungspersonal einzusetzen.  Rein zufällig ist einer der auf den neu geschaffenen Posten Angestellten der Bruder des FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und ein anderer ein kürzlich nach chaotischen Personalwechseln zum Bezirksparteiobmann der FPÖ gekürter Swimmingpool-Unternehmer. (Aufgedeckt wurden diese jüngsten Personalbesetzungen durch das Magazin NEWS: http://mobil.news.at/a/familienbetrieb-burgenland-7522703 )

So bleibt nach einem Jahr Arbeit im neu erfundenen Sicherheitsressort der Landesregierung als einzig erkennbares Konzept die Versorgung von Parteifreunden mit neu geschaffenen Posten.  Die FPÖ fängt schon an, ihre Spuren zu hinterlassen.

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